Bericht über die Tätigkeit des Historischen Vereins zu Frankfurt (Oder) e. V. für das Vereinsjahr 2025

Sehr verehrte Vereinsmitglieder, meine sehr verehrten Damen und Herren!

Blicken wir zurück auf das vergangene Vereinsjahr, dem Jahr, in dem unser Verein auf eine inzwischen schon 35jährige Vereinsgeschichte zurückblicken konnte. Am 14. Dezember 1989 hatte sich ein Komitee zur Wiederbegründung des Historischen Vereins zu Frankfurt (Oder) gebildet. Eine der ersten Fragen, die in den meist im Stadtarchiv stattgefundenen Sitzungen des Vorbereitungskomitees diskutiert wurde, war, ob man den alten Historischen Verein für Heimatkunde wiederbegründen oder eine neue Organisationsform nutzen will. Am Ende der Diskussion entschieden wir uns, einen neuen, gemeinnützigen Historischen Verein zu bilden, der an die besten Traditionen des alten Vereins anknüpfen sollte. Wie Dr. Martin Schieck im ersten Mitteilungsheft unseres Vereins festhielt erarbeitete das kleine Gründungskomitee, dem "Wolfgang Buwert, Dr. Manfred Kalweit, Dr. Martin Schieck und Oberarchivar Ralf-Rüdiger Targiel angehörten, … erste Vorstellungen für die Satzung eines künftigen Historischen Vereins. Erweitert durch die Mitgliedschaft der Lehrerinnen Regina Bellmann und Sabine Greiner wurde … die Gründung des Vereins konkret vorbereitet“ . Im März war es dann so weit. Mit Zeitungsbeiträgen würde zur Gründungsversammlung eingeladen. Am Montag, den 26. März, 20:00 Uhr trafen sich im Praetoriussaal der Marienkirche etwa 30 Interessierte zur Gründungsversammlung. Von den 27 Anwesenden, die sich an jenem Tag in das ausgelegte Mitgliedsbuch als Gründungsmitglieder des Historischen Vereins zu Frankfurt (Oder) eintrugen , sind heute noch acht von ihnen als Mitglieder in unserem Verein. Es sind Frau Dr. Vera Kliemann und die Herren Wolfgang Buwert, Dr. Horst Engelke, Peter Clemens, Bernhard Klemm, Tino Scheuner, Dr. Martin Schieck und OA Ralf-Rüdiger Targiel. Den ersten Vorstand bildeten Wolfgang Buwert (Vorsitzender), Ralf-Rüdiger Targiel / Joachim Winter (Stellv. Vorsitzende), Dr. Manfred Kalweit (Schatzmeister), Dr. Martin Schieck (Schriftführer), Ralf-Rüdiger Targiel (Bibliothekar). Der neue Verein, so heißt es in unserer ersten Satzung, soll „allen historisch interessierten Bürgern offen (stehen), wenn sie sich zum Humanismus und zur historischen Wahrheit verpflichten und sich über geschichtliche Probleme artikulieren wollen. In diesem Sinne knüpft der Verein an die Traditionen des Historischen Vereins für Heimatkunde zu Frankfurt an der Oder an“. Der Verein bietet seitdem allen an der Stadtgeschichte interessierten Bürgern eine Heimstatt, ist unabhängig und überparteilich. Er ist kein Förderverein des Museums Viadrina oder des Stadtarchivs, steht aber allen Geschichtsinstitutionen bei Bedarf zur Seite. 35 Jahre Vereinstätigkeit, das waren interessante und wichtige Vorträge, Vorhaben und Exkursionen – letztere die besonders von unserem 2018 verstorbenen Ehrenmitglied Dr. Klaus Eichler organisiert wurden. Auch die Mitwirkung von Vereinsmitgliedern bei Geschichtsvorhaben anderer in der Stadt, sei es die Mitarbeit bei Ausstellungen des Museums oder die Veröffentlichung von historischen Beiträgen in der Märkischen Oderzeitung, gehörten zur Vereinsarbeit. Unser Verein ist heute fester Teil der Frankfurter Vereinslandschaft, ist eine in der Stadt anerkannte und gehörte Stimme für alle historischen Belange der Stadt.

Unser Verein hat gegenwärtig 32 Mitglieder, darunter sind sechs auswärtige Mitglieder. Veränderungen haben sich 2025 nicht ergeben. Die Monatssitzungen 2025 fanden überwiegend im Vortrags- und Seminarraum des Frankfurter Stadtarchivs statt. Im Februar waren wir zu Gast im Kleistmuseum und im Dezember – traditionell zur Weihnachtszusammenkunft - im Hauptgebäude des Museums.

Das Vereinsjahr begann mit der Jahreshauptversammlung am 28. Januar 2025. Zur Sitzung veranstaltete unser Gubener Mitglied Andreas Peter, Leiter und Besitzer des Niederlausitzer Verlages Guben einen kleinen Büchertisch mit historischer Regionalliteratur seines Verlages, dem im Laufe des Jahres weitere Buchpräsentationen folgten. Im öffentlichen Teil der Sitzung, zu der neben den 21 Mitgliedern noch 12 Gäste kamen, hielt Herr Gerhard Knappe einen Vortrag „Frankfurter Belege mit Geschichten(n)“. In seinem einstündigen Vortrag zeigte er Briefe, Ansichts- und Geschäftskarten und andere Exponate z. B. der Papier- und Zellulosefabrik Pulverkrug (Steinbock) oder der Drogerie Johannes Ließ, und sprach dann über die jeweilige Firmengeschichte. Nach seinem Vortrag verließen die Gäste die Versammlung und es begann die geschäftsmäßige Hauptversammlung, zu der der Vorstand gemäß Satzung die Mitglieder schriftlich (per E-Mail bzw. Postbrief) eingeladen hatte. Nach dem einstimmigen Beschluss der Tagesordnung trug der Vorsitzende den Tätigkeitsbericht 2024 vor. Der Rechenschaftsbericht wurde von den anwesenden 21 Mitgliedern ohne weitere Diskussion oder Ergänzung einstimmig angenommen (veröffentlicht Heft 1/2025).
Es folgte die Verlesung des Kassenberichtes durch unsere Schatzmeisterin, Frau
Dr. Vera Kliemann. Herr Lothar Meyer trug den Prüfbericht vor, mit dem die beiden Kassenprüfer Frau Sigrid Koppe und Herr Lothar Meyer die Ordnungsmäßigkeit der finanziellen Vereinstätigkeit bestätigten. Nach dem Prüfbericht wurde der Kassenbericht, gleichfalls ohne Diskussion einstimmig angenommen. Den 8 säumigen Beitragszahlern (2 zu 2023/24 und 6 zu 2024) wurde vor einer Mahnung eine verlängerte Zahlungsfrist bis 31.März 2025 erteilt (Beschluss mit einer Nein-Stimme).
Nachfolgend fasste die Versammlung den Beschluss zur Beitragshöhe – einstimmig wurde die Beibehaltung der bisherigen Höhe beschlossen. Entsprechend werden im neuen Vereinsjahr 25,00 € für Vollzahler sowie 12,50 € für Ruheständler, Arbeitslose, Auszubildende, Schüler und Studenten erhoben.
Um den Anstieg der Fertigungskosten für unsere Mitteilungshefte zu verkraften, beschlossen die Mitglieder einstimmig, die Schutzgebühr bei der Abgabe der Mitteilungshefte außerhalb des Vereins auf 3,00 € pro Heft, gleich wann es erschienen ist, anzuheben.
Anschließend wurde der Vorhabenplan für 2025 behandelt. Wegen des Um- und Ausbaus der Gedenkstätte werden künftig die Sitzungen, bis auf die Weihnachtszusammenkunft, wieder im Stadtarchiv stattfinden. Die Hoffnung, dass nach der Wiedereröffnung der Gedenkstätte dort wieder getagt werden kann, dürfte sich inzwischen zerschlagen haben, da auch dort künftig von den Gästen Eintritt verlangt wird. Der vom Vorstand vorgelegten Entwurf des Vorhabenplanes, in dem schon die eingereichten Vorschläge der Mitglieder eingeflossen waren, wurde ohne Diskussion und Ergänzungen einstimmig beschlossen.
Danach wurde das den Verein seit längerem beschäftigende Thema „Führung einer Vereinsbibliothek“ besprochen. Dazu hatte der Vorstand eine umfangreiche Beschlussvorlage erarbeitet. Voraus ging die durch einige Vorstandsmitglieder erledigte listenmäßige Erfassung und Aufnahme des im Depot des Museums lagernden Bestandes und der Recherche zur möglichen Verwendung – u.a. wurden bei verschiedenen öffentlichen Bibliotheken angefragt. Die Mitglieder stimmten einstimmig der Beschlussvorlage zu. Der Verein nimmt damit von der Anlage einer Vereinsbibliothek Abstand. Weiterhin wurde einstimmig beschlossen, die vorhandenen Bücher abzugeben, und zwar 7 Kisten Bücher des ehem. Friedrichs-Gymnasium an das Museum Viadrina zur Ergänzung des Schulbestandes und 9 Kisten an das Kreisarchiv Oder-Spree. Die Abgabe erfolgt kostenfrei, jedoch mit der Bedingung, dass die Übernehmenden die Bücher bewahren, verzeichnen und später der Öffentlichkeit zugänglich machen.
Zum Abschluss der Sitzung befasste sich die Jahreshauptversammlung mit der Beteiligung an der Aktion „Frankfurter Köpfe“. Der Vorstand schlug der Versammlung vor, dass die vom Verein 2019 vorgeschlagene Gedenktafel für die Brüder von Humboldt (hierzu unbeantwortet gebliebener Brief an die Präsidentin der Europa-Universität vom 15. Okt. 2019 – sh. Mitteilungen, Heft 1/2020) nun im Rahmen der von Herrn Prof. G. Hübinger und der „Netzwerkstatt Frankfurt (Oder)“ zu realisieren sei. Der Vorstand schlug vor, dass sich der Historische Verein an der Aktion beteiligt und die Anfertigung und Aufstellung einer Tafel für die Brüder von Humboldt auf dem Grundstück des ehem. Pfarrhauses von St. Marien, Regierungsstraße, organisiert. Die Tafel sollte, so der Antrag, aus dem Vereinshaushalt finanziert werden. Nach einer Diskussion, bei der besonders die Kosten der Tafel im Mittelpunkt standen, stimmten 8 Mitglieder für und 9 Mitglieder gegen die Beteiligung. Damit wurde seitens der Versammlung der Vorschlag abgelehnt, dass sich der Historische Verein an der Aktion beteiligt. Da über diese Aktion die seit längerem beabsichtigte Tafel endlich verwirklicht werden könnte, womit das öffentliche Gedenken an die Brüder von Humboldt in Frankfurt (Oder) befördert wird, verständigten sich auf Vorschlag von Herrn Dr. Schieck nach dem Ende der Jahreshauptversammlung die Vorstandsmitglieder darauf, die Tafel privat zu organisieren und – zusammen mit der Humboldt-Societät – zu finanzieren.

An der Februar-Sitzung (25. Februar) nahmen 13 Mitglieder und 10 Gäste teil. Die Sitzung fand anlässlich des 75. Todestages von Adolf Julius Georg Minde-Pouet im Kleistmuseum statt. Herr Dr. Adrian Schliebe, Vereinsmitglied und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Kleistmuseums, der sich mit der Person und dem Wirken von Minde- Pouet als Präsident der Kleist-Gesellschaft seit längerem beschäftigt, titelte sein Vortrag „Georg Minde-Pouet (1871-1950) und Frankfurt (Oder): Kleist-Pflege und Stadtpolitik, Handschriftendiebstahl und Nationalsozialismus. Auf den Spuren eines ambivalenten Kleist-Forschers“. Georg Minde-Pouet war ein einflussreicher, aber ambivalenter Kleist-Forscher, der wesentlich zur Institutionalisierung der Kleist-Pflege in Frankfurt (Oder) beitrug und umfangreiche Materialien zu Kleists Leben sammelte. Zugleich war er in Handschriftendiebstähle verwickelt, verkaufte städtisches Kulturgut widerrechtlich an die Staatsbibliothek und prägte die Kleist-Gesellschaft ab 1933 im Sinne einer offen nationalsozialistischen Ideologie, einschließlich antisemitischer Maßnahmen und propagandistischer Veranstaltungen. Sein Wirken hinterließ bedeutende Forschungsbestände (seit 2024 als Schenkung der Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin im Kleist-Museum), aber auch schwerwiegende politische und moralische Schatten, deren Aufarbeitung heute ein zentraler Bestandteil der Beschäftigung mit seiner Rolle in der Frankfurter Kulturgeschichte ist.

Zur Festsitzung zum 35. Jahrestag des Historischen Vereins am 25. März kamen 13 Mitglieder und 7 Gäste in das Stadtarchiv. Als kleine Erinnerung an das Jubiläum verteilte der Vorstand die eigens mit dem Vereinslogo hergestellten Stifte – als kleinen Hinweis darauf, dass man, wann immer man damit schreibt, auch an den Verein und einen weiteren Vortrag denken sollte. In seinem folgenden Festvortrag richtete der Vorsitzende zuerst den Blick auf die Begründung und Geschichte des ersten Historischen Vereins – des Historisch-Statistischen Vereins zu Frankfurt a. O., zuletzt Historischer Verein für Heimatkunde zu Frankfurt an der Oder (erscheint in Mitt. 1/2026). Danach ließ der Vereinsvorsitzende die vergangenen 35 Jahre Revue passieren. Er erinnerte dabei an die Gründungs- und Vorstandsmitglieder, an herausragende Vorträge, Exkursionen, an unsere Bemühungen um Gedenktafeln, und auch an das erfolgreiche Projekt Heimkehrer Geschichte. Eine erschöpfende Darstellung bleibt jedoch der Zukunft vorbehalten, zum 40. Jubiläum im Jahr 2030 wäre der richtige Zeitpunkt dafür. Im zweiten Teil des Abends zeigte Herr Dr. Michael Eichler, seine Fotografien und Filme, mit denen er die Vereinstätigkeit seit seinem Eintritt in den Verein 1992 dokumentierte. Seine Bild und Filmvorführung veranlasste etliche Mitglieder zu heiteren Kommentaren.

Zur Aprilsitzung am 29. April kamen 14 Mitglieder und 18 Gäste. Vereinsmitglied Restaurator Bernhard Klemm hielt einen Vortrag mit dem Titel "Lauter gute Adressen - Dekorationen in Frankfurter Bürgerhäusern". Anhand von eigenen Fotografien, die er in den 1980er Jahren z. B. in Häusern Walter-Korsing-Str.17, 19, Gubener Str.10/11, 13b, Gr. Müllroser Str.61, Güldendorfer Str. 2, Lessingstr.3 und Bergstraße 24, 35 fertigte, und die heute z. T. nicht mehr vorhandenen sind, dass die dort errichteten Häuser einst alle besonders aufwändig gestaltete Treppenhäuser besaßen. Prachtvolle Ausmalungen der Treppenräume und aufwändiges Stuckdekor waren besonders zur Gründerzeit ein Merkmal der Frankfurter Bürgerhäuser. Anhand der einzelnen Häuser zeigte der Referent typische und besondere Muster, zeigte die stilistische und typologische Vielfalt der Treppenhausdekorationen in der Mietshausarchitektur. (Druck des Vortrages noch ausstehend).

Die letzte Sitzung vor der Sommerpause am 27. Mai gestaltete vor 14 Mitgliedern und 6 Gästen Vereinsmitglied Frau Dr. Vera Kliemann. Sie hielt den ersten Teil ihres Vortrages, in dem sie anhand der Informationen in den Jahrbüchern der Archäologischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg e.V. (AiBB) über die archäologischen Ausgrabungen in der Stadt Frankfurt (Oder) von 1990 bis 2023 berichtete. Bis die Forschungs-Ergebnisse einer Ausgrabung – die oft stadtgeschichtlichen Erkenntnisse ergänzen, mitunter auch korrigieren – bekannt werden, vergeht einige Zeit. Wenn dann Monate später Archäologen davon in ihren Jahrbüchern berichten, geschieht dies oft unbeachtet von der breiten Öffentlichkeit. Ihr mit großem Interesse aufgenommener Vortrag begann mit den Ausgrabungen auf dem Gelände der „Sieben Raben“, an der sie einst als angestellte Archäologin selbst beteiligt war. Sie leitete Anfang der 1990 Jahre die Ausgrabungen auf dem Gelände der „Sieben Raben“, worüber sie selbst neben einer Broschüre auch einen Beitrag im Jahrbuch schrieb (AiBB 1990-1992; 1995-1996). Im Vortrag wurden auch Fotografien der kostbaren, leider heute nicht mehr vorhandenen Fundstücke gezeigt. Es folgten Ausführungen u.a. zu den Ausgrabungen der ersten Stadtbefestigung im 13. Jahrhundert (Wall mit Palisade in AiBB 1993-1994), dann die Ausgrabungen in der Großen Oderstraße 52-28 (mit den dort gefundenen Goldmünzen in AiBB 2019 ) und die Befunde beim Bau des neuen Bolfrashauses (AiBB 2013). (Die Veröffentlichung erfolgt nach dem Vortrag des II. Teiles, in dem über die Ausgrabungen auf dem Gelände des heutigen Arbeitsamtes, auf dem ETTC-Gelände, an der Autobahn, in der alten Wüstung Pagram, und der Wiederentdeckung des Gräberfeldes in Lossow zu berichten sein wird.

Am 30. September trafen sich 14 Mitglieder und 22 Gäste zur ersten Sitzung nach der Sommerpause. Vereinsmitglied Manfred Hunger aus Lebus hielt einen Vortrag zum Thema „260 Jahre Neu Lebus“. Wie der Referent ausführte, gibt es keine spezielle Urkunde von der Gründung der Kolonie Neu Lebus, aber alle Nachrichten weisen darauf hin, dass Friedrich II. 1765 die Errichtung dieses Ortes angeordnet hatte. Neben seinem allgemeinen Plan das Land durch eine planmäßige und staatlich gelenkte Besiedlung besser zu strukturieren, bestand hier die konkrete Absicht, ein „Weberdorf“ zu errichten. Außerdem sollte der Domäne Lebus Tagelöhner und der Frankfurter Dammvorstadt Handwerksgesellen zur Verfügung gestellt werden. Entsprechend wurden für die ersten 28 Siedler einfache Wohnhäuser gebaut. Vor allem waren es Glaubensflüchtlinge, die für die Siedlung angeworben worden. Mietnachlass und Privilegien sollten Anreize für eine Ansiedlung schaffen. Doch das Leben auf diesem unfruchtbaren Land war so schwer, dass mancher Siedler nach Einbringen der Ernte heimlich den Ort wieder verließ. Der Deichbruch 1785, der einen großen Teil der Wohnungen vernichtete, hätte fast das Aus für das Dorf bedeutet. Doch der König befahl den Wiederaufbau. Vor allem nach dem 1. Weltkrieg fand ein Strukturwandel statt. Aus ehemaligen Handwerkern und Tagelöhnern wurden Kleinbauern, die einen bescheidenen Wohlstand erwirtschafteten. Beim Einmarsch der Roten Armee erlebten die zurückgebliebenen Neu Lebuser schreckliche Übergriffe. Nach einer kurzen Rückkehr im Mai 1945 fand dann die endgültige Vertreibung statt. Nowo Lubusz war dann bis 1967 militärisches Sperrgebiet. Verschiedene PGR (ähnlich einer LPG in der DDR) stellten den Ansässigen Anstellungen und Wohnraum zur Verfügung. Heute ist Nowy Lubusz ein Ortsteil der polnische Stadt Slubice.“ (veröff. 2026 geplant). Danach berichtete der Vereinsvorsitzende mit einer kleinen Fotoschau von dem am Tag zuvor eröffneten Aussichtsturm in Slubice, der unweit des einstigen Kleisturmes neu errichtet wurde.


An der nächsten Sitzung am 28. Oktober nahmen 16 Mitglieder und 11 Gäste teil. Den Vortragsabend gestaltete Vereinsmitglied Roland Semik aus Slubice. Der Jurist und engagierte Experte für die Słubicer Stadtgeschichte, hielt zwei Vorträge. Im ersten Vortrag, der schon für 2024 geplant und wegen Krankheit des Referenten verschoben werden musste, stellte Herr Roland Semik den rechtlichen Rahmen und die Praxis der Denkmalpflege in Frankfurt und Słubice dar und verglich beide Rechtssysteme miteinander. In seinem zweiten Vortrag, den der Referent anlässlich des 80. Jahrestages der Stadt Słubice hielt, stellte er die wichtigsten Ereignisse und Personen vor. Erste Schwerpunkte seines Vortrags waren die Herkunft und Geschichte des Stadtnamens Słubice (erstmal auf einer 1937 in Posen herausgegeben Karte für das Gebiet links und rechts der Oder, 12.11.1946 offizielle Namensgebung der Stadt Slubice); das alte und das seit 2006 gültige Stadtwappen. Auf besonderes Interesse bei den Anwesenden stießen seine Ausführungen zum Beginn der Kreis- und Stadtverwaltung 1945 bis 1946 (3. bis 27. Apr.1945 Ankunft einer 21 Personen umfassenden Gruppe von H. Jastrzębski für die Stadt Frankfurt (Oder)/ Słubice, 1. bis 2. Mai Ankunft einer 52 Personen umfassenden Gruppe von W. Jaroszyński für den Kreis Weststernberg bzw. Bezirk Rypin). Wie der Referent ausführte, war ab Mai Słubice Sitz des Bezirks Rypin, der provisorisch mehrere Orte östlich der Oder umfasste. Im Jahr 1946 erfolgte die Umbenennung des Bezirks Rypin in Bezirk Rzepin, was der veränderten territorialen Orientierung Rechnung trug. Mit der Verwaltungsreform von 1959 entstand schließlich der Kreis Słubice, der bis 1975 Bestand hatte. Im letzten Teil seines Vortrages stellte der Referent kurz die Persönlichkeiten vor, die von 1945 bis heute die wichtigsten Ämter in der Stadt, in den kulturellen Institutionen und dem Militär bekleideten. Sein Vortrag endete mit dem Blick auf die offizielle Feier zum 80. Geburtstag von Słubice im September 2025 (wird veröff. in Mitt. H.1/2027)

An der am 26. November durchgeführten Sitzung nahmen 12 Mitglieder und 14 Gäste teil. Am Abend hielt Vereinsmitglied Wolfgang Buwert seinen dritten Vortrag über die „Führungselite in Frankfurt (Oder) am Ende der NS-Zeit“. Diesmal beschäftigte sich der Referent mit den Frankfurter Festungskommandanten 1945. Erster Festungskommandant war Generalleutnant Hermann Meyer-Rabingen (1887-1961). Ihm folgte Oberst Ernst Biehler (1903-1997), der mit einer Tochter des in der Bahnhofstraße einst wohnenden Frankfurter Arztes Dr. Albert Dege verheiratet war und der am 20. April 1945 noch zum Generalmajor befördert wurde. Geschildert wurde ihr militärischer Werdegang, wozu Herr Wolfgang Buwert zahlreiche Fotos und Dokumenten aus Archiven und seinem Privatbesitz zeigte (wird veröff. in Mitt. H. 2/2026). Danach stellte Vereinsmitglied Andreas Peter das in seinem „Niederlausitzer Verlag Guben“ als Reprint neu erschienene Buch „Ostmarkbauten“ (1925) vor, darin eine von Vereinsmitglied Horst Voigt verfasste Biographie von Martin Kießling.

Zu der vom Stellv. Vereinsvorsitzenden Dr. Martin Schieck organisierten Dezemberveranstaltung trafen sich am 17. Dezember 9 Mitglieder im Hauptgebäude des Museums. Herr Dr. Tim S. Müller, Museumsleiter und Vereinsmitglied hieß uns in seinem Haus willkommen und führte uns zu der ausgestellten Sammlung „Neumärkisches Silber“, dass das Museum dank zahlreicher Fördermittelgeber und Spender 2022 von Herrn Prof. Dr. Ernst-Ludwig Richter erwerben konnte. Herr Dr. Müller erläuterte die 10 im Januar 2023 übernommenen kostbaren Stücke, darunter die Amtskette des Küstriner Hofrichters und Bürgermeisters aus der Zeit um 1640, ein Kelch der Marienkirche Arnswalde (1643), eine Abendmahlskanne der Küstriner Marienkirche (1650), einen aus Silber mit Teilvergoldungen in Küstrin gefertigten Prunkhumpen (um 1620). Als besondere Überraschung zeigte uns der Museumsleiter eine gerade erste erworbene große Porzellanvase mit prachtvollen Stadtansichten aus dem frühen 18. Jahrhundert. Danach traf man sich zur geselligen Runde in „Uromas Küche“ im Museum. Dabei informierte Herr Ralf Springsguth über neuerworbene Schriftstücke, wie z. B. Werbeschriften der Frankfurter Firma Teutonia in der Beeskower Straße für Frankreich. Herr Lothar Meyer informierte über Veröffentlichungen seiner Forschungen zum „Nullstein“ im „Meilenstein-Journal“, Herr Bernhard Klemm zeigte Fotografien von der Vereinsexkursion zum sog. Ostwall, Herr Dr. Tim S. Müller berichtete von neuen Erkenntnissen zum Untergang des alten Lienauhauses und Herr Ralf-Rüdiger Targiel informierte von den eigens für den diesjährigen Weihnachtsmarkt erarbeiteten Tafeln und berichtete von einer Klage aus dem Jahr 1860, als sich die nahe der Kaserne wohnenden Einwohner von frühen Blasen dort gestört fühlten und die dann von anderen dafür als Faulenzer beschimpft wurden. Bei Pfefferkuchen und einem Glas Glühwein endete die letzte Sitzung des Jahres.

Soweit zum Verlauf der monatlichen Veranstaltungen im Jahr 2025. Ich möchte allen Referenten im Namen des Vorstandes herzlich für ihre Beiträge danken. Gleichzeitig möchte ich besonders dem Stadtarchiv für die kostenfrei zur Verfügung gestellten Räume und Ressourcen danken.
Wie in den vergangenen Jahren möchte ich im Namen des Vorstandes auch denjenigen danken, welche durch eine Spende unsere Vereinsmittel bereicherten. Insgesamt erhielten wir 2025 140,00 € Spenden. Spenden erhielt unser Verein zum wiederholten Male von Herrn Franz-Viktor Salomon-vom Stein (100,00 €), von Herrn Roland Semik (10,00 €) und Familie Uwe und Cornelia Billerbeck (30,00 €). Weiteres zu den Finanzmittel unseres Vereins , der im Jahr 2025 wieder mit einem Überschuss abgeschlossen werden konnte, ist dem von unserer Schatzmeisterin Frau Dr. Kliemann vorgetragenen Kassenbericht zu entnehmen.
Anders als in den Jahren zuvor fanden keine Vorstandssitzungen als persönliche Treffen statt. Der Vorstand organisierte sich mittels E-Mail und Telefon. Für ihre bei der Sitzungsvorbereitung wie auch in Erledigung der von ihnen übernommenen Vorstandsaufgaben danke ich herzlich den Mitgliedern des Vorstandes, Frau Dr. Kliemann (Vereinsfinanzen), Herr Dr. Schieck (Stellvertretender Vorsitz), Herrn Klemm (Schriftführung) sowie Herrn Voigt (Bibliothek, dabei besonders für die Verwaltung, Verteilung und Versendung unserer Vereinsmitteilungen, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass wir das Vereinsjahr mit einem Überschuss abschließen konnten).
Für ihre Tätigkeit bei der Fertigung unserer Mitteilungshefte dankt der Vorstand dem Redaktionskollegium mit den Herren Eckard Reiß und Wolfgang Buwert. 2025 konnten erneut 2 Hefte herausgegeben werden. Ich freue mich, Sie darüber informieren zu können, dass inzwischen das Heft 1/2026 fast fertiggestellt ist und wahrscheinlich noch im Frühjahr übergeben werden kann. Die Redaktion arbeitet jetzt schon am Heft 2/2026, ihr Blick richtet sich auch schon auf das Mitteilungsheft 1/2027. Alle Referenten, die noch nicht die Manuskripte ihrer Vorträge eingereicht haben, werden gebeten, diese fertigzustellen und an Herrn Reiß (E-Mail: e12r34@t-online.de) zu senden.
Unsere Internetseite wurde auch im vergangenen Vereinsjahr in bewährter Qualität bearbeitet. Im Namen des Vorstandes danke ich Herrn Dr. Michael Eichler sehr herzlich dafür. Um die Internetpräsentation auf dem neuesten Stand zu halten, wurden auch 2025 die WWW-Seiten wieder mindestens einmal im Monat (abgesehen von der Sommerpause) an den erforderlichen Stellen und zu den entsprechenden Terminen aktualisiert. Die Rubrik „Vereinssitzungs-Rückblick“ konnte sowohl retrospektiv für vergangene, aber noch nicht erfasste Zeitanschnitte des Vereinslebens als auch für das aktuell vergangene Vereinsjahr erweitert werden. Den Sitzungsplan für das Jahr 2025 bereitete Herr Dr. Eichler wieder für das Aufgaben- und Terminverwaltung-Programm „Lightning“ im iCalendar Format (*.ics) und als HTML- Datei auf und stellte ihn als Download auf unserer Internetseite unseren Vereinsmitgliedern und der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung. Unsere Internetseite wurde 2025 insgesamt 94.182-mal aufgerufen. Damit steigerte sich die absolute Zahl der Zugriffe seit dem Start der Internetpräsentation im März 2005 auf 284.200. Diese Zahl enthält auch die automatisierten Zugriffe z.B. über Scanprogramme von Internet- Suchmaschinen (Robots).Der sprunghafte Anstieg der Zahl der Zugriffe ab 2018 setzte sich im vergangenen Jahr fort und wurde auch durch eine monatliche Registrierung bestätigt. Über die E-Mail-Adressen des Vereins trafen 2025 erneut keine wesentlichen Nachrichten, Hinweise oder Anfragen ein.
Im Tätigkeitsbericht möchte ich auch kurz über den Fortschritt der Stolperstein-Aktion in Frankfurt (Oder) berichten. Frau Dr. Kliemann führt seit längerem als Schatzmeisterin unseres Vereins die Einnahme- und Ausgaberechnung der Stolperstein-Aktion. Organisiert wird die Frankfurter Aktion vom Vereinsmitglied Herrn Carsten Roman Höft. Mit den Steinen wird an die Opfer der NS-Zeit erinnert. Die vier neuen, am 22. September 2025 verlegten Steine erinnern an den Pfarrer Gabriel Hermann (August-Bebel-Str. 112), Margarete Weimann (Slubice, Rondo Solidarnosci), Hans-Jürgen Salvenmoser (Kleine Oderstraße 1) und Bernhard Plonske (Herbert-Jensch-Str. 108).
Zum Ende des Tätigkeitsberichtes möchte ich wieder darauf verweisen, dass Mitglieder unseres Historischen Vereins sich im Sinne des Vereins engagierten. So wirkte Frau Dr. Kliemann weiterhin als ehrenamtliche Mitarbeiterin im Museum Viadrina. Weiter sind mit ihrem über den Verein hinaus stadtgeschichtlichen Wirken zu erwähnen: Herr Buwert hat umfangreich an der Aus- und Bearbeitung der Konzeption für die neue Ausstellung in der Gedenkstätte „Opfer politischer Gewaltherrschaft“ mitgearbeitet und dafür Ausstellungstexte verfasst, Texte korrigiert und Fotos und Dokumente zur Verfügung gestellt. Herr Bernhard Klemm führte eine vom Deutsch-Polnischen Geschichtsprojekt organisierte öffentliche Führung über das OSiR-Stadion (ehem. Ostmarkstadion) mit anschließender Besichtigung des neuen Aussichtsturmes durch. Kleine stadtgeschichtliche Beiträge auf den Weihnachtsfeiern des Frankfurter Briefmarkenvereins und des CDU-Kreisverbandes. Herr Lothar Meyer war in Verbindung mit der "Forschungsgruppe Meilensteine e.V." in Deutschland wegen seines Vortrags "Der Nullstein am Verkehrsknoten Frankfurt (Oder) zu Beginn des 19. Jahrhunderts - ein Phantom?" (s. a. Mitt. H. 1/2025). Wichtige Passagen seines Vortrags im Historischen Verein sowie die Ergebnisse seiner Recherchen im BLHA Potsdam wurden in der Zeitschrift "Meilenstein-Journal" Ausgabe MJ88, MJ89 und MJ90 (12/2025) veröffentlicht. Teile des Vortrages von Lothar Meyer verwandte Wolfgang Fredrich für seinen Beitrag „Meilensteine von Frankfurt (Oder) bis Beeskow. Eine Standortbetrachtung" (veröff. i. d. Fachzeitung "Strassengeschichte"). Andreas Peter gab in seinem Niederlausitzer Verlag Guben regionalhistorische Literatur heraus, für Frankfurt und Eisenhüttenstadt die Bücher "Ostmarkbauten" von Martin Kießling, Detlef Kirchhoff "Zwischen Baum und Borke - Aufgewachsen in Stalinstadt". Darüber hinaus sprach er bei der Herbsttagung der Niederlausitzer Gesellschaft für Geschichte und Landeskunde in Cottbus über seine 30jährige Arbeit als Heimatforscher und Verleger. Herr Dr. Schieck vermittelte wie in den Vorjahren erneut im Rahmen von Gästeführungen geschichtliche Zusammenhänge und Fakten (im Auftrag der Tourist-Information), weiterhin hat Herr Dr. Schieck für das Stadtmarketing ein Faltblatt zur Geschichte der Frankfurter Hansemitgliedschaft erarbeitet, welches 2026 erscheinen wird. Herr Dr. Schliebe hielt im Juli im Forschungskolloquium „Geschichte transkulturell" von Prof. Dr. Andreas Bähr den Vortrag: „Kleists Studium an der Brandenburgischen Landesuniversität revisited“. Die von ihm im Rahmen seiner Tätigkeit am Kleist-Museum kuratierte Ausstellung »Zerbrochne Harmonien. Kleist und die Musik« (am 8. Oktober 2025 eröffnet) wies ein paar Frankfurt-Bezüge auf: Sie stellen dort eine Flöte aus der Reka-Sammlung (Museum Viadrina) aus sowie ein Plakat und Programmheft des Kleist-Theaters zu einer Opernaufführung aus den 1960er Jahren war darin zu sehen. Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel schrieb 16 – z. T. ganzseitige - Geschichtsbeiträge für die Märkische Oderzeitung und erarbeitete für die Gedenktafel für Alexander Gottlieb Baumgarten den über den QR-Code im Internet hinterlegten Text sowie für die künftige Humboldt-Gedenktafel die Texte zum Aufenthalt der Brüder von Humboldt in Frankfurt sowie über die Geschichte des Oberpfarrhauses von St. Marien, in dem die Brüder einst wohnten. Weiterhin fertigte er im Auftrag des Stadtmarketings die Texte für 6 Tafeln für den Frankfurter Weihnachtsmarkt.
Damit schließe ich den Tätigkeitsbericht. Im Namen des gesamten Vorstandes wünsche ich uns für 2026 ein erfolgreiches und interessantes Vereinsjahr und all unseren Mitgliedern alles Gute, viel Freude und beste Gesundheit.


OA Ralf-Rüdiger Targiel
Vorsitzender des Historischen
Vereins zu Frankfurt (Oder) e. V.