Bericht über die Tätigkeit des
Historischen Vereins zu Frankfurt (Oder) e. V. für das Vereinsjahr 2025
Sehr verehrte Vereinsmitglieder, meine
sehr verehrten Damen und Herren!
Blicken wir zurück auf
das vergangene Vereinsjahr, dem Jahr, in dem unser Verein auf eine
inzwischen schon 35jährige Vereinsgeschichte zurückblicken konnte. Am 14.
Dezember 1989 hatte sich ein Komitee zur Wiederbegründung des Historischen
Vereins zu Frankfurt (Oder) gebildet. Eine der ersten Fragen, die in den
meist im Stadtarchiv stattgefundenen Sitzungen des Vorbereitungskomitees
diskutiert wurde, war, ob man den alten Historischen Verein für Heimatkunde
wiederbegründen oder eine neue Organisationsform nutzen will. Am Ende der
Diskussion entschieden wir uns, einen neuen, gemeinnützigen Historischen
Verein zu bilden, der an die besten Traditionen des alten Vereins anknüpfen
sollte. Wie Dr. Martin Schieck im ersten Mitteilungsheft unseres Vereins
festhielt erarbeitete das kleine Gründungskomitee, dem "Wolfgang
Buwert, Dr. Manfred Kalweit, Dr. Martin
Schieck und Oberarchivar Ralf-Rüdiger Targiel
angehörten, … erste Vorstellungen für die Satzung eines künftigen
Historischen Vereins. Erweitert durch die Mitgliedschaft der Lehrerinnen
Regina Bellmann und Sabine Greiner wurde …
die Gründung des Vereins konkret vorbereitet“ . Im März war es dann so weit.
Mit Zeitungsbeiträgen würde zur Gründungsversammlung eingeladen. Am Montag,
den 26. März, 20:00 Uhr trafen sich im Praetoriussaal der Marienkirche etwa
30 Interessierte zur Gründungsversammlung. Von den 27 Anwesenden, die sich
an jenem Tag in das ausgelegte Mitgliedsbuch als Gründungsmitglieder des
Historischen Vereins zu Frankfurt (Oder) eintrugen , sind heute noch acht
von ihnen als Mitglieder in unserem Verein. Es sind Frau Dr. Vera
Kliemann und die Herren Wolfgang Buwert,
Dr. Horst Engelke, Peter Clemens, Bernhard
Klemm, Tino Scheuner, Dr. Martin Schieck
und OA Ralf-Rüdiger Targiel. Den ersten Vorstand bildeten
Wolfgang Buwert (Vorsitzender), Ralf-Rüdiger
Targiel / Joachim Winter (Stellv. Vorsitzende),
Dr. Manfred Kalweit (Schatzmeister), Dr. Martin
Schieck (Schriftführer), Ralf-Rüdiger Targiel
(Bibliothekar). Der neue Verein, so heißt es in unserer ersten Satzung, soll
„allen historisch interessierten Bürgern offen (stehen), wenn sie sich zum
Humanismus und zur historischen Wahrheit verpflichten und sich über
geschichtliche Probleme artikulieren wollen. In diesem Sinne knüpft der
Verein an die Traditionen des Historischen Vereins für Heimatkunde zu
Frankfurt an der Oder an“. Der Verein bietet seitdem allen an der
Stadtgeschichte interessierten Bürgern eine Heimstatt, ist unabhängig und
überparteilich. Er ist kein Förderverein des Museums Viadrina oder des
Stadtarchivs, steht aber allen Geschichtsinstitutionen bei Bedarf zur Seite.
35 Jahre Vereinstätigkeit, das waren interessante und wichtige Vorträge,
Vorhaben und Exkursionen – letztere die besonders von unserem 2018
verstorbenen Ehrenmitglied Dr. Klaus Eichler organisiert
wurden. Auch die Mitwirkung von Vereinsmitgliedern bei Geschichtsvorhaben
anderer in der Stadt, sei es die Mitarbeit bei Ausstellungen des Museums
oder die Veröffentlichung von historischen Beiträgen in der Märkischen
Oderzeitung, gehörten zur Vereinsarbeit. Unser Verein ist heute fester Teil
der Frankfurter Vereinslandschaft, ist eine in der Stadt anerkannte und
gehörte Stimme für alle historischen Belange der Stadt.
An der
Februar-Sitzung (25. Februar) nahmen 13 Mitglieder und 10 Gäste teil. Die
Sitzung fand anlässlich des 75. Todestages von Adolf Julius Georg
Minde-Pouet im Kleistmuseum statt. Herr Dr. Adrian Schliebe, Vereinsmitglied
und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Kleistmuseums, der sich mit der
Person und dem Wirken von Minde- Pouet als Präsident der Kleist-Gesellschaft
seit längerem beschäftigt, titelte sein Vortrag „Georg Minde-Pouet
(1871-1950) und Frankfurt (Oder): Kleist-Pflege und Stadtpolitik,
Handschriftendiebstahl und Nationalsozialismus. Auf den Spuren eines
ambivalenten Kleist-Forschers“. Georg Minde-Pouet war ein einflussreicher,
aber ambivalenter Kleist-Forscher, der wesentlich zur Institutionalisierung
der Kleist-Pflege in Frankfurt (Oder) beitrug und umfangreiche Materialien
zu Kleists Leben sammelte. Zugleich war er in Handschriftendiebstähle
verwickelt, verkaufte städtisches Kulturgut widerrechtlich an die
Staatsbibliothek und prägte die Kleist-Gesellschaft ab 1933 im Sinne einer
offen nationalsozialistischen Ideologie, einschließlich antisemitischer
Maßnahmen und propagandistischer Veranstaltungen. Sein Wirken hinterließ
bedeutende Forschungsbestände (seit 2024 als Schenkung der Stiftung Zentral-
und Landesbibliothek Berlin im Kleist-Museum), aber auch schwerwiegende
politische und moralische Schatten, deren Aufarbeitung heute ein zentraler
Bestandteil der Beschäftigung mit seiner Rolle in der Frankfurter
Kulturgeschichte ist.
Zur Festsitzung zum 35. Jahrestag des Historischen
Vereins am 25. März kamen 13 Mitglieder und 7 Gäste in das Stadtarchiv. Als
kleine Erinnerung an das Jubiläum verteilte der Vorstand die eigens mit dem
Vereinslogo hergestellten Stifte – als kleinen Hinweis darauf, dass man,
wann immer man damit schreibt, auch an den Verein und einen weiteren Vortrag
denken sollte. In seinem folgenden Festvortrag richtete der Vorsitzende
zuerst den Blick auf die Begründung und Geschichte des ersten Historischen
Vereins – des Historisch-Statistischen Vereins zu Frankfurt a. O., zuletzt
Historischer Verein für Heimatkunde zu Frankfurt an der Oder (erscheint in
Mitt. 1/2026). Danach ließ der Vereinsvorsitzende die vergangenen 35 Jahre
Revue passieren. Er erinnerte dabei an die Gründungs- und
Vorstandsmitglieder, an herausragende Vorträge, Exkursionen, an unsere
Bemühungen um Gedenktafeln, und auch an das erfolgreiche Projekt Heimkehrer
Geschichte. Eine erschöpfende Darstellung bleibt jedoch der Zukunft
vorbehalten, zum 40. Jubiläum im Jahr 2030 wäre der richtige Zeitpunkt
dafür. Im zweiten Teil des Abends zeigte Herr Dr. Michael Eichler, seine
Fotografien und Filme, mit denen er die Vereinstätigkeit seit seinem
Eintritt in den Verein 1992 dokumentierte. Seine Bild und Filmvorführung
veranlasste etliche Mitglieder zu heiteren Kommentaren.
Zur Aprilsitzung
am 29. April kamen 14 Mitglieder und 18 Gäste. Vereinsmitglied Restaurator
Bernhard Klemm hielt einen Vortrag mit dem Titel "Lauter gute Adressen -
Dekorationen in Frankfurter Bürgerhäusern". Anhand von eigenen Fotografien,
die er in den 1980er Jahren z. B. in Häusern Walter-Korsing-Str.17, 19,
Gubener Str.10/11, 13b, Gr. Müllroser Str.61, Güldendorfer Str. 2,
Lessingstr.3 und Bergstraße 24, 35 fertigte, und die heute z. T. nicht mehr
vorhandenen sind, dass die dort errichteten Häuser einst alle besonders
aufwändig gestaltete Treppenhäuser besaßen. Prachtvolle Ausmalungen der
Treppenräume und aufwändiges Stuckdekor waren besonders zur Gründerzeit ein
Merkmal der Frankfurter Bürgerhäuser. Anhand der einzelnen Häuser zeigte der
Referent typische und besondere Muster, zeigte die stilistische und
typologische Vielfalt der Treppenhausdekorationen in der
Mietshausarchitektur. (Druck des Vortrages noch ausstehend).
Die letzte
Sitzung vor der Sommerpause am 27. Mai gestaltete vor 14 Mitgliedern und 6
Gästen Vereinsmitglied Frau Dr. Vera Kliemann. Sie hielt den ersten Teil
ihres Vortrages, in dem sie anhand der Informationen in den Jahrbüchern der
Archäologischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg e.V. (AiBB) über die
archäologischen Ausgrabungen in der Stadt Frankfurt (Oder) von 1990 bis 2023
berichtete. Bis die Forschungs-Ergebnisse einer Ausgrabung – die oft
stadtgeschichtlichen Erkenntnisse ergänzen, mitunter auch korrigieren –
bekannt werden, vergeht einige Zeit. Wenn dann Monate später Archäologen
davon in ihren Jahrbüchern berichten, geschieht dies oft unbeachtet von der
breiten Öffentlichkeit. Ihr mit großem Interesse aufgenommener Vortrag
begann mit den Ausgrabungen auf dem Gelände der „Sieben Raben“, an der sie
einst als angestellte Archäologin selbst beteiligt war. Sie leitete Anfang
der 1990 Jahre die Ausgrabungen auf dem Gelände der „Sieben Raben“, worüber
sie selbst neben einer Broschüre auch einen Beitrag im Jahrbuch schrieb
(AiBB 1990-1992; 1995-1996). Im Vortrag wurden auch Fotografien der
kostbaren, leider heute nicht mehr vorhandenen Fundstücke gezeigt. Es
folgten Ausführungen u.a. zu den Ausgrabungen der ersten Stadtbefestigung im
13. Jahrhundert (Wall mit Palisade in AiBB 1993-1994), dann die Ausgrabungen
in der Großen Oderstraße 52-28 (mit den dort gefundenen Goldmünzen in AiBB
2019 ) und die Befunde beim Bau des neuen Bolfrashauses (AiBB 2013). (Die
Veröffentlichung erfolgt nach dem Vortrag des II. Teiles, in dem über die
Ausgrabungen auf dem Gelände des heutigen Arbeitsamtes, auf dem
ETTC-Gelände, an der Autobahn, in der alten Wüstung Pagram, und der
Wiederentdeckung des Gräberfeldes in Lossow zu berichten sein wird.
Am
30. September trafen sich 14 Mitglieder und 22 Gäste zur ersten Sitzung nach
der Sommerpause. Vereinsmitglied Manfred Hunger aus Lebus hielt einen
Vortrag zum Thema „260 Jahre Neu Lebus“. Wie der Referent ausführte, gibt es
keine spezielle Urkunde von der Gründung der Kolonie Neu Lebus, aber alle
Nachrichten weisen darauf hin, dass Friedrich II. 1765 die Errichtung dieses
Ortes angeordnet hatte. Neben seinem allgemeinen Plan das Land durch eine
planmäßige und staatlich gelenkte Besiedlung besser zu strukturieren,
bestand hier die konkrete Absicht, ein „Weberdorf“ zu errichten. Außerdem
sollte der Domäne Lebus Tagelöhner und der Frankfurter Dammvorstadt
Handwerksgesellen zur Verfügung gestellt werden. Entsprechend wurden für die
ersten 28 Siedler einfache Wohnhäuser gebaut. Vor allem waren es
Glaubensflüchtlinge, die für die Siedlung angeworben worden. Mietnachlass
und Privilegien sollten Anreize für eine Ansiedlung schaffen. Doch das Leben
auf diesem unfruchtbaren Land war so schwer, dass mancher Siedler nach
Einbringen der Ernte heimlich den Ort wieder verließ. Der Deichbruch 1785,
der einen großen Teil der Wohnungen vernichtete, hätte fast das Aus für das
Dorf bedeutet. Doch der König befahl den Wiederaufbau. Vor allem nach dem 1.
Weltkrieg fand ein Strukturwandel statt. Aus ehemaligen Handwerkern und
Tagelöhnern wurden Kleinbauern, die einen bescheidenen Wohlstand
erwirtschafteten. Beim Einmarsch der Roten Armee erlebten die
zurückgebliebenen Neu Lebuser schreckliche Übergriffe. Nach einer kurzen
Rückkehr im Mai 1945 fand dann die endgültige Vertreibung statt. Nowo Lubusz
war dann bis 1967 militärisches Sperrgebiet. Verschiedene PGR (ähnlich einer
LPG in der DDR) stellten den Ansässigen Anstellungen und Wohnraum zur
Verfügung. Heute ist Nowy Lubusz ein Ortsteil der polnische Stadt Slubice.“
(veröff. 2026 geplant). Danach berichtete der Vereinsvorsitzende mit einer
kleinen Fotoschau von dem am Tag zuvor eröffneten Aussichtsturm in Slubice,
der unweit des einstigen Kleisturmes neu errichtet wurde.
An der
nächsten Sitzung am 28. Oktober nahmen 16 Mitglieder und 11 Gäste teil. Den
Vortragsabend gestaltete Vereinsmitglied Roland Semik aus Slubice. Der
Jurist und engagierte Experte für die Słubicer Stadtgeschichte, hielt zwei
Vorträge. Im ersten Vortrag, der schon für 2024 geplant und wegen Krankheit
des Referenten verschoben werden musste, stellte Herr Roland Semik den
rechtlichen Rahmen und die Praxis der Denkmalpflege in Frankfurt und Słubice
dar und verglich beide Rechtssysteme miteinander. In seinem zweiten Vortrag,
den der Referent anlässlich des 80. Jahrestages der Stadt Słubice hielt,
stellte er die wichtigsten Ereignisse und Personen vor. Erste Schwerpunkte
seines Vortrags waren die Herkunft und Geschichte des Stadtnamens Słubice
(erstmal auf einer 1937 in Posen herausgegeben Karte für das Gebiet links
und rechts der Oder, 12.11.1946 offizielle Namensgebung der Stadt Slubice);
das alte und das seit 2006 gültige Stadtwappen. Auf besonderes Interesse bei
den Anwesenden stießen seine Ausführungen zum Beginn der Kreis- und
Stadtverwaltung 1945 bis 1946 (3. bis 27. Apr.1945 Ankunft einer 21 Personen
umfassenden Gruppe von H. Jastrzębski für die Stadt Frankfurt (Oder)/
Słubice, 1. bis 2. Mai Ankunft einer 52 Personen umfassenden Gruppe von W.
Jaroszyński für den Kreis Weststernberg bzw. Bezirk Rypin). Wie der Referent
ausführte, war ab Mai Słubice Sitz des Bezirks Rypin, der provisorisch
mehrere Orte östlich der Oder umfasste. Im Jahr 1946 erfolgte die
Umbenennung des Bezirks Rypin in Bezirk Rzepin, was der veränderten
territorialen Orientierung Rechnung trug. Mit der Verwaltungsreform von 1959
entstand schließlich der Kreis Słubice, der bis 1975 Bestand hatte. Im
letzten Teil seines Vortrages stellte der Referent kurz die Persönlichkeiten
vor, die von 1945 bis heute die wichtigsten Ämter in der Stadt, in den
kulturellen Institutionen und dem Militär bekleideten. Sein Vortrag endete
mit dem Blick auf die offizielle Feier zum 80. Geburtstag von Słubice im
September 2025 (wird veröff. in Mitt. H.1/2027)
An der am 26. November
durchgeführten Sitzung nahmen 12 Mitglieder und 14 Gäste teil. Am Abend
hielt Vereinsmitglied Wolfgang Buwert seinen dritten Vortrag über die
„Führungselite in Frankfurt (Oder) am Ende der NS-Zeit“. Diesmal
beschäftigte sich der Referent mit den Frankfurter Festungskommandanten
1945. Erster Festungskommandant war Generalleutnant Hermann Meyer-Rabingen
(1887-1961). Ihm folgte Oberst Ernst Biehler (1903-1997), der mit einer
Tochter des in der Bahnhofstraße einst wohnenden Frankfurter Arztes Dr.
Albert Dege verheiratet war und der am 20. April 1945 noch zum Generalmajor
befördert wurde. Geschildert wurde ihr militärischer Werdegang, wozu Herr
Wolfgang Buwert zahlreiche Fotos und Dokumenten aus Archiven und seinem
Privatbesitz zeigte (wird veröff. in Mitt. H. 2/2026). Danach stellte
Vereinsmitglied Andreas Peter das in seinem „Niederlausitzer Verlag Guben“
als Reprint neu erschienene Buch „Ostmarkbauten“ (1925) vor, darin eine von
Vereinsmitglied Horst Voigt verfasste Biographie von Martin Kießling.
Zu
der vom Stellv. Vereinsvorsitzenden Dr. Martin Schieck organisierten
Dezemberveranstaltung trafen sich am 17. Dezember 9 Mitglieder im
Hauptgebäude des Museums. Herr Dr. Tim S. Müller, Museumsleiter und
Vereinsmitglied hieß uns in seinem Haus willkommen und führte uns zu der
ausgestellten Sammlung „Neumärkisches Silber“, dass das Museum dank
zahlreicher Fördermittelgeber und Spender 2022 von Herrn Prof. Dr.
Ernst-Ludwig Richter erwerben konnte. Herr Dr. Müller erläuterte die 10 im
Januar 2023 übernommenen kostbaren Stücke, darunter die Amtskette des
Küstriner Hofrichters und Bürgermeisters aus der Zeit um 1640, ein Kelch der
Marienkirche Arnswalde (1643), eine Abendmahlskanne der Küstriner
Marienkirche (1650), einen aus Silber mit Teilvergoldungen in Küstrin
gefertigten Prunkhumpen (um 1620). Als besondere Überraschung zeigte uns der
Museumsleiter eine gerade erste erworbene große Porzellanvase mit
prachtvollen Stadtansichten aus dem frühen 18. Jahrhundert. Danach traf man
sich zur geselligen Runde in „Uromas Küche“ im Museum. Dabei informierte
Herr Ralf Springsguth über neuerworbene Schriftstücke, wie z. B.
Werbeschriften der Frankfurter Firma Teutonia in der Beeskower Straße für
Frankreich. Herr Lothar Meyer informierte über Veröffentlichungen seiner
Forschungen zum „Nullstein“ im „Meilenstein-Journal“, Herr Bernhard Klemm
zeigte Fotografien von der Vereinsexkursion zum sog. Ostwall, Herr Dr. Tim
S. Müller berichtete von neuen Erkenntnissen zum Untergang des alten
Lienauhauses und Herr Ralf-Rüdiger Targiel informierte von den eigens für
den diesjährigen Weihnachtsmarkt erarbeiteten Tafeln und berichtete von
einer Klage aus dem Jahr 1860, als sich die nahe der Kaserne wohnenden
Einwohner von frühen Blasen dort gestört fühlten und die dann von anderen
dafür als Faulenzer beschimpft wurden. Bei Pfefferkuchen und einem Glas
Glühwein endete die letzte Sitzung des Jahres.
Soweit zum Verlauf der
monatlichen Veranstaltungen im Jahr 2025. Ich möchte allen Referenten im
Namen des Vorstandes herzlich für ihre Beiträge danken. Gleichzeitig möchte
ich besonders dem Stadtarchiv für die kostenfrei zur Verfügung gestellten
Räume und Ressourcen danken.
Wie in den vergangenen Jahren möchte ich im
Namen des Vorstandes auch denjenigen danken, welche durch eine Spende unsere
Vereinsmittel bereicherten. Insgesamt erhielten wir 2025 140,00 € Spenden.
Spenden erhielt unser Verein zum wiederholten Male von Herrn Franz-Viktor
Salomon-vom Stein (100,00 €), von Herrn Roland Semik (10,00 €) und Familie
Uwe und Cornelia Billerbeck (30,00 €). Weiteres zu den Finanzmittel unseres
Vereins , der im Jahr 2025 wieder mit einem Überschuss abgeschlossen werden
konnte, ist dem von unserer Schatzmeisterin Frau Dr. Kliemann vorgetragenen
Kassenbericht zu entnehmen.
Anders als in den Jahren zuvor fanden keine
Vorstandssitzungen als persönliche Treffen statt. Der Vorstand organisierte
sich mittels E-Mail und Telefon. Für ihre bei der Sitzungsvorbereitung wie
auch in Erledigung der von ihnen übernommenen Vorstandsaufgaben danke ich
herzlich den Mitgliedern des Vorstandes, Frau Dr. Kliemann
(Vereinsfinanzen), Herr Dr. Schieck (Stellvertretender Vorsitz), Herrn
Klemm
(Schriftführung) sowie Herrn Voigt (Bibliothek, dabei besonders für die
Verwaltung, Verteilung und Versendung unserer Vereinsmitteilungen, die
maßgeblich dazu beigetragen haben, dass wir das Vereinsjahr mit einem
Überschuss abschließen konnten).
Für ihre Tätigkeit bei der Fertigung
unserer Mitteilungshefte dankt der Vorstand dem Redaktionskollegium mit den
Herren Eckard Reiß und Wolfgang Buwert. 2025 konnten erneut 2 Hefte
herausgegeben werden. Ich freue mich, Sie darüber informieren zu können,
dass inzwischen das Heft 1/2026 fast fertiggestellt ist und wahrscheinlich
noch im Frühjahr übergeben werden kann. Die Redaktion arbeitet jetzt schon
am Heft 2/2026, ihr Blick richtet sich auch schon auf das Mitteilungsheft
1/2027. Alle Referenten, die noch nicht die Manuskripte ihrer Vorträge
eingereicht haben, werden gebeten, diese fertigzustellen und an Herrn
Reiß (E-Mail: e12r34@t-online.de) zu senden.
Unsere Internetseite wurde auch
im vergangenen Vereinsjahr in bewährter Qualität bearbeitet. Im Namen des
Vorstandes danke ich Herrn Dr. Michael Eichler sehr herzlich dafür. Um die
Internetpräsentation auf dem neuesten Stand zu halten, wurden auch 2025 die
WWW-Seiten wieder mindestens einmal im Monat (abgesehen von der Sommerpause)
an den erforderlichen Stellen und zu den entsprechenden Terminen
aktualisiert. Die Rubrik „Vereinssitzungs-Rückblick“ konnte sowohl
retrospektiv für vergangene, aber noch nicht erfasste Zeitanschnitte des
Vereinslebens als auch für das aktuell vergangene Vereinsjahr erweitert
werden. Den Sitzungsplan für das Jahr 2025 bereitete Herr Dr. Eichler wieder
für das Aufgaben- und Terminverwaltung-Programm „Lightning“ im iCalendar
Format (*.ics) und als HTML- Datei auf und stellte ihn als Download auf
unserer Internetseite unseren Vereinsmitgliedern und der breiten
Öffentlichkeit zur Verfügung. Unsere Internetseite wurde 2025 insgesamt
94.182-mal aufgerufen. Damit steigerte sich die absolute Zahl der Zugriffe
seit dem Start der Internetpräsentation im März 2005 auf 284.200. Diese Zahl
enthält auch die automatisierten Zugriffe z.B. über Scanprogramme von
Internet- Suchmaschinen (Robots).Der sprunghafte Anstieg der Zahl der
Zugriffe ab 2018 setzte sich im vergangenen Jahr fort und wurde auch durch
eine monatliche Registrierung bestätigt. Über die E-Mail-Adressen des
Vereins trafen 2025 erneut keine wesentlichen Nachrichten, Hinweise oder
Anfragen ein.
Im Tätigkeitsbericht möchte ich auch kurz über den
Fortschritt der Stolperstein-Aktion in Frankfurt (Oder) berichten. Frau
Dr.
Kliemann führt seit längerem als Schatzmeisterin unseres Vereins die
Einnahme- und Ausgaberechnung der Stolperstein-Aktion. Organisiert wird die
Frankfurter Aktion vom Vereinsmitglied Herrn Carsten Roman Höft. Mit den
Steinen wird an die Opfer der NS-Zeit erinnert. Die vier neuen, am 22.
September 2025 verlegten Steine erinnern an den Pfarrer Gabriel Hermann
(August-Bebel-Str. 112), Margarete Weimann (Slubice, Rondo Solidarnosci),
Hans-Jürgen Salvenmoser (Kleine Oderstraße 1) und Bernhard Plonske
(Herbert-Jensch-Str. 108).
Zum Ende des Tätigkeitsberichtes möchte ich
wieder darauf verweisen, dass Mitglieder unseres Historischen Vereins sich
im Sinne des Vereins engagierten. So wirkte Frau Dr. Kliemann weiterhin als
ehrenamtliche Mitarbeiterin im Museum Viadrina. Weiter sind mit ihrem über
den Verein hinaus stadtgeschichtlichen Wirken zu erwähnen: Herr Buwert hat
umfangreich an der Aus- und Bearbeitung der Konzeption für die neue
Ausstellung in der Gedenkstätte „Opfer politischer Gewaltherrschaft“
mitgearbeitet und dafür Ausstellungstexte verfasst, Texte korrigiert und
Fotos und Dokumente zur Verfügung gestellt. Herr Bernhard Klemm führte eine
vom Deutsch-Polnischen Geschichtsprojekt organisierte öffentliche Führung
über das OSiR-Stadion (ehem. Ostmarkstadion) mit anschließender Besichtigung
des neuen Aussichtsturmes durch. Kleine stadtgeschichtliche Beiträge auf den
Weihnachtsfeiern des Frankfurter Briefmarkenvereins und des
CDU-Kreisverbandes. Herr Lothar Meyer war in Verbindung mit der
"Forschungsgruppe Meilensteine e.V." in Deutschland wegen seines Vortrags
"Der Nullstein am Verkehrsknoten Frankfurt (Oder) zu Beginn des 19.
Jahrhunderts - ein Phantom?" (s. a. Mitt. H. 1/2025). Wichtige Passagen
seines Vortrags im Historischen Verein sowie die Ergebnisse seiner
Recherchen im BLHA Potsdam wurden in der Zeitschrift "Meilenstein-Journal"
Ausgabe MJ88, MJ89 und MJ90 (12/2025) veröffentlicht. Teile des Vortrages
von Lothar Meyer verwandte Wolfgang Fredrich für seinen Beitrag
„Meilensteine von Frankfurt (Oder) bis Beeskow. Eine Standortbetrachtung"
(veröff. i. d. Fachzeitung "Strassengeschichte"). Andreas Peter gab in
seinem Niederlausitzer Verlag Guben regionalhistorische Literatur heraus,
für Frankfurt und Eisenhüttenstadt die Bücher "Ostmarkbauten" von Martin
Kießling, Detlef Kirchhoff "Zwischen Baum und Borke - Aufgewachsen in
Stalinstadt". Darüber hinaus sprach er bei der Herbsttagung der
Niederlausitzer Gesellschaft für Geschichte und Landeskunde in Cottbus über
seine 30jährige Arbeit als Heimatforscher und Verleger. Herr Dr. Schieck
vermittelte wie in den Vorjahren erneut im Rahmen von Gästeführungen
geschichtliche Zusammenhänge und Fakten (im Auftrag der
Tourist-Information), weiterhin hat Herr Dr. Schieck für das Stadtmarketing
ein Faltblatt zur Geschichte der Frankfurter Hansemitgliedschaft erarbeitet,
welches 2026 erscheinen wird. Herr Dr. Schliebe hielt im Juli im
Forschungskolloquium „Geschichte transkulturell" von Prof. Dr. Andreas Bähr
den Vortrag: „Kleists Studium an der Brandenburgischen Landesuniversität
revisited“. Die von ihm im Rahmen seiner Tätigkeit am Kleist-Museum
kuratierte Ausstellung »Zerbrochne Harmonien. Kleist und die Musik« (am 8.
Oktober 2025 eröffnet) wies ein paar Frankfurt-Bezüge auf: Sie stellen dort
eine Flöte aus der Reka-Sammlung (Museum Viadrina) aus sowie ein Plakat und
Programmheft des Kleist-Theaters zu einer Opernaufführung aus den 1960er
Jahren war darin zu sehen. Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel schrieb 16 – z. T.
ganzseitige - Geschichtsbeiträge für die Märkische Oderzeitung und
erarbeitete für die Gedenktafel für Alexander Gottlieb Baumgarten den über
den QR-Code im Internet hinterlegten Text sowie für die künftige
Humboldt-Gedenktafel die Texte zum Aufenthalt der Brüder von Humboldt in
Frankfurt sowie über die Geschichte des Oberpfarrhauses von St. Marien, in
dem die Brüder einst wohnten. Weiterhin fertigte er im Auftrag des
Stadtmarketings die Texte für 6 Tafeln für den Frankfurter Weihnachtsmarkt.
Damit schließe ich den Tätigkeitsbericht. Im Namen des gesamten
Vorstandes wünsche ich uns für 2026 ein erfolgreiches und interessantes
Vereinsjahr und all unseren Mitgliedern alles Gute, viel Freude und beste
Gesundheit.
OA Ralf-Rüdiger Targiel
Vorsitzender des Historischen
Vereins
zu Frankfurt (Oder) e. V.