Nachruf

Der Historische Verein zu Frankfurt (Oder) e. V.
trauert um sein Ehrenmitglied
Ingenieur für Fernmelde- und Funkwesen
Joachim Schneider
* 28.02.1929 † 10.08.2026

Joachim Schneider 2018

Foto: Historischer Verein zu Frankfurt (Oder) 2018.

Seit seinem Eintritt im Jahr 1991 war er eines unserer aktivsten Mitglieder unseres Vereins.
Als erster Vereinsbibliothekar und Gestalter von 37 Vorträgen hat er unsere Vereinstätigkeit tief geprägt.
So wie er den Vereinsmitgliedern gern und fundiert Auskunft zu stadtgeschichtlichen Fragen gab, stellte er sein
Wissen auch der Öffentlichkeit stets bereitwillig zur Verfügung.
Wir trauen um einen großen Verlust und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Mit den folgenden Worten wollen wir Joachim Schneider gedenken:
Am 10. August verstarb unser Ehrenmitglied. Mit ihm verlieren wir eine Stütze unseres Vereins.
Joachim Schneider wurde 1929 in der Dammvorstadt als Sohn eines Telegraphenarbeiters geboren. Seine Familie wohnte im Haus Sonnenburger Str. 27. Nach seiner Schulzeit begann er eine Lehre bei der Post, die er erst nach dem Krieg als Telegraphenbauhandwerker beenden konnte. Während er danach bei der Post arbeitete, absolvierte er ein Studium zum Ingenieur für Fern- und Funkwesen. Noch vor seinem Abschluss, als 1958 in der „Thomas-Müntzer-Berufsschule“ in der Beeskower Straße der neugegründete VEB Halbleiterwerk Frankfurt (Oder) seine Produktion aufnahm, wechselte Joachim Schneider dorthin. Während seiner langen Berufszeit im Halbleiterwerk hatte er Anteil am Aufbau und der Arbeit des Werkes im Frankfurter Ortsteil Markendorf.
Als „waschechter alter“ Frankfurter war Joachim Schneider eng mit der Stadt und ihrer Geschichte verbunden. Die Stadtgeschichte war sein besonderes Hobby. Selbst sein zweites Hobby, das Gärtnern im eigenen Garten in der Lichtenberger Straße, verband sich mit der Stadtgeschichte, mit seinen Recherchen zu besonderen Frankfurter Bäumen sowie sein Plädoyer für den Ginkgo-Baum. Für seine Forschungen war Joachim Schneider schon lange vor der Wende immer wieder als Nutzer im Stadtarchiv, wo er in alten Zeitungen und Adressbüchern recherchierte. 1982 legte er seinen sorgfältigen und genau erarbeiteten Abriss „Die Garnison Frankfurt (Oder) von ihren Anfängen bis 1945“ vor, ein wertvolles Nachschlagewerk, das damals jedoch keine Chance auf eine Drucklegung hatte.
Mit seinem Eintritt 1990 in den Ruhestand wurde die Stadtgeschichte zu seiner Hauptbeschäftigung. Im März 1991 trat er unserem im Jahr zuvor gegründeten Historischen Verein zu Frankfurt (Oder) e. V. bei. Von Anfang an engagierte er sich im Verein und übernahm eine Zeit lang das Amt des Bibliothekars. Er hielt Vorträge, die anschließend in den Mitteilungen des Vereins gedruckt wurden. In seinem ersten Beitrag erarbeitete er eine Liste der Frankfurter Denkmäler, Gedenksteine und Gedenktafeln; es folgte ein Vortrag über Frankfurt als Keimzelle der Militäropposition gegen Hitler. Sein besonderes Thema in den Jahrzehnten seiner Mitgliedschaft blieb die Militärgeschichte, wobei er bereits 1992 erstmals über Gottfried Piefke sprach und diesen als herausragenden Militärmusiker wiederentdeckte. Besonders die Geschehnisse des Jahres 1945 waren immer wieder Gegenstand seiner Vorträge. Er beschäftigte sich mit der Frage, wer die Stadt zerstörte. Dabei widersprach er schon früh der offiziellen Behauptung, dass „die Stadt von den Faschisten zerstört wurde“ und ermittelte in aufwendigen Recherchen das detaillierte Zerstörungsbild des Stadtzentrums. Insgesamt hielt er 37 Vorträge. In Würdigung seiner Verdienste um den Verein und seiner langjährigen Mitgliedschaft ernannte ihn die Mitgliederhauptversammlung am 28. Januar 2014 zum Ehrenmitglied des Historischen Vereins. So wie Joachim Schneider den anderen Vereinsmitgliedern gern Auskunft über die Vergangenheit der Stadt gab, stellte er sein Wissen auch der Öffentlichkeit bereitwillig zur Verfügung. Er beteiligte sich nach 1990 als Mitglied der Arbeitsgruppe Straßennamen der Stadtverwaltung an der Umbenennung von Straßen, beantwortete Anfragen von der Stadtverwaltung und publizierte in der Märkischen Oderzeitung. Für sein Engagement in der Stadt ehrte ihn der Rotary-Club 2009 mit der Leopold-Medaille.
Joachim Schneider war eines der aktivsten Vereinsmitglieder. Neben seiner Familie trauern auch die Mitglieder unseres Vereins über diesen schweren erlittenen Verlust. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Vorstand und Mitglieder des Historischen Vereins